Armin Werner (1877 - 1955),  gebürtig aus Uslar,
war bereits durch das Elternhaus  (sein Vater war Landvermesser) , durch  Ausbildung und Beruf
den Geowissenschaften zugewandt.

Er war  ab der Jahrhundertwende bis 1932  im Bergbaubereich langjährig bei der  Bohrverwaltung der Saline Schönebeck/Elbe tätig und befasste sich  hier u.a. mit den Bohr- und Abteufvorhaben. Als Regierungsbaumeister bewohnte er ein Diensthaus im Felgeleber Weg auf dem Grundstück der Salinenverwaltung.

Armin Werner in Uniform (1907). Vor- und Rückseite des Fotos


Wegbegleiter und Tauschparter seiner Sammlerleidenschaft waren vor allem
seine Brüder Heinrich (*1872)  und Wilhelm (*1867),
die sich beruflich ebenfalls dem Bergbau verschrieben hatten. 
Sowohl Heinrich als auch Wilhelm Werner  waren zunächst Referendar
und danach Bergassesor am Oberbergamt Clausthal.

Ab 1902 in  St.Andreasberg tätig, war Heinrich Werner als  Bergrat 1910 der letzte Leiter der Grube Samson. Er gilt als der Entdecker des Minerals Samsonit. Seine Andreasberger Sammlung bildet heute einen Kernpunkt des Mineralogischen Museums Münster.

Wilhelm  Werner war zwischenzeitlich
Hütteninspektor in Lautenthal. 
Nach Heirat mit der  Hoelemann-Tochter Franziska übernahm er 1904 die
Bleiwerke Hoelemann & Wolff in Osterode. Diese Firma, bereits 1812 von Schachtrupp gegründet, wird heute in der  3. Generation von der Familie Werner geführt.

Gruppenbild mit Schwester:
Die drei Werner-Brüder Wilhelm, Heinrich und Werner.

1930 erbaute er in Osterode an der Bleichestelle und somit nahe der Fabrik seines Bruders sein großes, herrschaftliches Wohnhaus, in das er ein Naturalienzimmer errichten ließ. 1931 zog er - bereits außer Diensten - ein und widmete sich fortan seinen Mineralienstudien. 
Armin Werner  verstarb hier am  27. September 1955 ledig und kinderlos.

Das Wohnhaus von Armin Werner (Bleichestelle 7 in Osterode):  Im Untergeschoß rechts sein Naturalienzimmer
(historisches Foto)

Armin Werner, der Hundenarr,  in seinem Garten in Osterode

Flußspat, England


Der Sammler:

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Eintragungen in seinen zunächst handgeschriebenen Inventarblättern verweisen auf einen Beginn der Sammlertätigkeit im Jahr 1907.
Zunächst überwiegen in der stätig anwachsenden Sammlung Fundstücke aus der Zechstein-Formation des Permzeitalters. Hier ist eine direkte Verbindung zum damaligen Salzbergwerk bei Schönebeck zu sehen.
Neben verschiedensten Salzkristallen sind auch Bohrkerne aus diesem Bereich und weiteren Salinenregionen vorhanden.
Einige Kerne und Salzproben in der Sammlung stammen aus dem "Moltke-Schacht" der Saline.
Findlings-Handstücke aus der Umgebung  von Schönebeck und Magdeburg  zeigen aber schon ein allgemeines Interesse am Aufbau einer Geosammlung.
Zunehmend spezialisiert sich Werner auf das
Sammeln von Gesteinsproben,  er wird zum  Petrographen.  Seine Anerkennung in der Fachwelt erhielt er u.a. als  Mitbegründer und langjähriges
wissenschaftliches Beiratsmitglied der Zeitschrift "Der Aufschluß".

Der Moltke-Schacht,
Salzschacht der Saline Schönebeck.

Durch seine Brüder hatte Armin Werner Zugang in die Tiefe der  Harzberge. Schon ab Beginn der Sammlertätigkeit bis weit in die 1940er Jahre finden Erze, Kristalle und Mineralgroßstufen aus dem Andreasberger Revier und den Oberharzer Erzgängen Einzug ins Mineralienkabinett.
Sie bilden neben den Salinen-Objekten seiner Schönebecker Zeit den zweiten Kernpunkt seiner Sammlung. Auch Funde aus anderen Grubenfeldern gelangen  über die Brüder zu ihm.

Der Harz allgemein und vor allem das Gebiet um St.Andreasberg gehört zu den klassischen Minerallagerstätten der Erde.
Andreasberger Minerale waren somit schon in früheren Jahrhunderten begehrte Objekte der Mineralienkabinette. Sie finden weltweit Einzug in alle großen Geosammlungen.
Heinrich Werner war neben dem Mineralogen Reinhard Brauns
der große Sammler und bester Kenner des Reviers:
welch ein Heimvorteil für Armin Werner!

Die letzte Schicht auf der Grube Samson.
Bergrat Werner inmitten seiner Bergleute.
(historische Fotos).

Mineralstufen aus der Grube Samson

Inventarisierung

Inventarisation - d.h. die Erfassung der Bestände - ist heute noch die Zielmarke vieler Museumssammlungen.
Bei Armin Werner gab es, wie es sich für einen gewissenhaften Mineraliensammler gehört, eine fortlaufende Inventarisierung der Neuzugänge und eine systematische Zuordnung Liste - Schrank. Somit können auch wir heute noch die magazinierten Objekte  exakt zugeordnet in die Ausstellung einbringen.

Ausschnitt aus dem "Verzeichnis der Fundstücke"
mit den wichtigen Angaben zu Fundstücken:
Bezeichnung, Fundort, (soweit möglich) Fundtiefe,
Zusammensetzung, Zeitstellung; Fundjahr, Finder, Sammlungsplatz, Inventar-Nummer.

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Beispiel für die Vervollständigung
der Sammlung:
Gediegenes Gold aus Siebenbürgen, 1924.

Das Zimmer

Armin Werner hatte 1930 beim Bau seines Hauses in Osterode im Erdgeschoß ein Naturalienzimmer mit eingeplant. Hier konnte seine permanent anwachsende Gesteins- und Mineraliensammlung entsprechend aufbewahrt werden.


Die Gesteine, Erze und Mineralien  der  umfangreichen  Handstücksammlung wurden u.a. in 4 Schubkästenschränken untergebracht (2 mit je 1000 Fundstücken, 2 mit je 500 Fundstücken). Zudem gab es einen Vitrinenschrank und mehrere Wandbörde sowie Bodengestelle für Bohrkerne. In weiteren Schubkästenschränken   lagerten die diversen Mineral - und Kristallgroßstufen.

Armin Werner in seinem Naturalienzimmer

Die Inszenierung

Die Ausstellung beinhaltet neben der in Vitrinen präsentierten Schausammlung der skurillen und farb- und formschönen Mineralstufen  die Inszenierung des Naturalienzimmers.
Die Atmosphäre der Geosphäre im Mineralienkabinett des Armin Werner  wird  nachempfunden mit zweien  seiner voll bestückten Gesteinsschränke sowie seinem Vitrinenschrank mit den "kunstgewerblichen Gegenständen aus Naturstein" (Originaleintrag im Inventarverzeichnis).
Dazu gesellen sich Einzelstücke wie ein Ammonit als Wandbild, Erinnerungen an die Salinenzeit oder aus der Artefaktensammlung  eine große Granitkugel, 1925 bei Luckenwalde gefunden und als  möglicher frühgeschichtlicher Mahlstein interpretiert. Bizarre und zugleich markante Objekte sind die säulenartig aus einem Bodengestell aufragenden steinernen Bohrkerne.  Auch die Ziersäule ist ein Bohrkern: Anhydrit, marmoriert, 1928, Pyrmont, aus 1220 m Teufe -  so der Eintrag im Fundverzeichnis.


Die Granitkugel


Kunstgewerbliche Naturstein-Gegenstände:
Blick in die Fertigungsabteilungen einer kunstgewerblichen Werkstätte in Osterode um 1910.

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Fotorechte: Familie Werner/Kreß, Büro MUSIGN 2002

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